Derzeit ist im Langenauer KulturBahnhof die Ausstellung „Zeitgenössische Kunst zur Eiszeitkunst VII“ zu sehen. Mit Erika Theilacker aus Heidenheim und Beate Gabriel aus Giengen treffen dabei zwei eigenständige künstlerische Positionen aufeinander, die sich auf unterschiedliche Weise mit Natur, Form, Material und Spur auseinandersetzen.
In einer besonderen Verbindung von Geschichts- und Kunstförderung zeigen die Stadt Langenau und der Lonetal Verein zum siebten Mal eine Ausstellung zum Thema „Zeitgenössische Kunst zur Eiszeitkunst“. Ausgangspunkt ist eine Kunst, die vor Zehntausenden von Jahren aus der unmittelbaren Auseinandersetzung des Menschen mit seiner Umwelt entstand. Tiere, Menschen, Linien und Zeichen wurden auf wenige prägnante Formen reduziert und in unterschiedlichste Materialien übertragen. Bis heute faszinieren diese frühen Kunstwerke durch ihre Klarheit, Ausdruckskraft und etwas unmittelbar Archaisches. Daran knüpft die Ausstellung an und fragt, wie Naturbeobachtung, Material, Form und das Hinterlassen von Spuren in der zeitgenössischen Kunst weiterwirken.
Es begegnen sich zwei Künstlerinnen, deren Arbeiten die Eiszeitkunst nicht nachahmen, sondern deren grundlegende Themen in die Gegenwart übertragen: das genaue Beobachten der Natur, das Reduzieren und Verwandeln von Formen, das Experimentieren mit Materialien und die Frage nach den Spuren, die wir hinterlassen. Zwischen Archaik und Gegenwart, Zufall und Ordnung sowie Natur und Gestaltung entstehen dabei immer wieder neue Verbindungen.
Die Künstlerinnen:
Erika Theilacker arbeitet mit Zeichnung, Mixed-Media-Collage und Fotografie. Ihre Werke entstehen in einem offenen Prozess, in dem sich Natur, Material, Zufall und Intuition miteinander verbinden. Formen werden ausgeschnitten, überlagert und neu zusammengesetzt und verdichten sich zu organisch anmutenden Gefügen. Dabei bewegen sich ihre Arbeiten zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion: Vertraute Formen scheinen auf, lösen sich wieder auf und eröffnen neue Assoziationen. Eine wichtige Inspirationsquelle ist die Natur, insbesondere die Landschaft ihrer zweiten Heimat Norwegen. Die Reduktion auf Silhouetten, Linien und zeichenhafte Formen schafft zugleich eine Verbindung zur Eiszeitkunst – zu jener frühen Bildsprache, die mit wenigen Mitteln erstaunlich starke und bis heute lesbare Bilder hervorgebracht hat.
Auch Beate Gabriel nimmt Naturformen und ihre inneren Ordnungen zum Ausgangspunkt ihrer künstlerischen Arbeit. Pflanzliche und organische Strukturen werden von ihr abstrahiert, wiederholt und aus der Fläche in den Raum weiterentwickelt. Im KulturBahnhof wird sie unter anderem Formen aus Puderzucker streuen. So entstehen präzise gesetzte, helle Zeichen und Spuren, die für die Dauer der Ausstellung erhalten bleiben und zugleich durch ihr Material etwas bewusst Vergängliches in sich tragen. Gerade darin liegt ein reizvoller Gegensatz zu den über Jahrtausende bewahrten Spuren der Eiszeit – und die Frage, was von menschlichem Gestalten bleibt.
Die Ausstellung ist bis einschließlich Sonntag, 22. November, jeweils sonntags von 14:00 bis 17:00 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.
Ausstellungsimpression: © Stadtmarketing Langenau