Auf den Spuren der ersten Schrift?

Aus den Höhlen in Ach- und Lonetal auf der Schwäbischen Alb tragen einige der gefundenen Figuren der Eiszeitkunst auffällige Ritzungen: Kreuze, Linien, Punkte – scheinbar einfache Muster. Auch Funde aus anderen Regionen zeigten solche Musterungen auf. Lange hielt man sie für reine Verzierung. Doch neue Analysen legen nahe, dass sie mehr sind als Dekoration.

Der Linguist Prof. Christian Bentz und die Archäologin Dr. Ewa Dutkiewicz gingen der Frage nach, ob diese Zeichen bewusst genutzt wurden, um Informationen weiterzugeben. Tatsächlich zeigte sich: Die Anordnung der Symbole ist nicht zufällig. Dahinter steckt ein System, worüber die eiszeitlichen Menschen Informationen festhielten.

Bemerkenswert ist auch die Informationsdichte: Sie ist vergleichbar mit der Proto-Keilschrift aus dem alten Mesopotamien, die ebenfalls mit Punkten und Strichen arbeitet.

Welche Botschaften genau auf den Figuren der Schwäbischen Alb verborgen sind, lässt sich nicht sagen, da diese Zeichen anders funktionieren als unsere heutige Schrift, die gesprochene Sprache abbildet. Sie zeigen aber, dass Menschen schon vor Zehntausenden von Jahren komplex dachten und Wege fanden, Wissen sichtbar zu machen.

Zu den Figuren, die mit sichtbaren und regelmäßigen Reihen aus Kerben, Punkten, Kreuzen und Linien versehen sind, gehören das kleine Mammut aus dem Vogelherd (Unimuseum Tübingen), der Adorant aus dem Geißenklösterle (Landesmuseum Württemberg in Stuttgart) und der Löwenmensch aus dem Hohlenstein-Stadel (Museum Ulm).

Zur Studie: Humans 40,000 years ago developed a system of conventional signs

 

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